„Zuhause arbeiten? Vor- und Nachteil gleichzeitig.“

Tanja Waglechner ist Illustratorin, selbstständig und Mutter von zwei Kindern. Momentan steht ihr Schreibtisch in ihrem Schlafzimmer. Möglichst bald in Zwettl in der frauenwirtschaft, wenn es nach ihr geht.

Du bist Gründungsmitglied der frauenwirtschaft, investierst viel Zeit in das Projekt. Warum tust du dir das an, fragen sich vielleicht manche …

Weil ich von dem Projekt überzeugt bin. Genau so etwas brauchen wir hier im Raum Zwettl – und genau so ein Angebot würde mir selbst sehr weiterhelfen. Ich finde die Idee sympathisch, dass man sich Räume mit anderen Unternehmerinnen teilt und so auch sein Netzwerk erweitern kann. Also ich würde sofort „einziehen“, wenn die frauenwirtschaft ihre Pforten öffnet.

Im Moment arbeitest du zuhause. Ist das nicht praktisch, wenn die Kinder noch klein sind?

Es ist Vor- und Nachteil zur selben Zeit. Ich kann zwischendurch schnell den Geschirrspüler einschalten, auch in der Früh oder am späten Abend arbeiten. Das ist natürlich toll. Auch wenn die Kinder krank sind – und das kommt ja immer wieder vor – bin ich sehr flexibel. Auf der anderen Seite, finde ich die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit schwierig. Wann habe ich frei? Eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Deshalb würde mir die Idee gut gefallen, mein Büro in die frauenwirtschaft zu verlegen. Irgendwann möchte ich meine Kunden auch nicht mehr am dem Küchentisch empfangen …

Du hast lange in Wien gelebt. Wie hat es dich nach Friedersbach verschlagen?

Das Leben mit Kindern am Land finde ich toll. Hier kennt jeder jeden, dieses Gefühl der Sicherheit mag ich. Das Waldviertel generell auch – es ist rau, schön, Heimat für mich. Ein guter Platz für meine Familie und mich. Deshalb haben wir beschlossen zurückzukommen – in das Heimatdorf meines Mannes.

Du bist seit 2018 selbstständig. Warum eigentlich?

Durch eine Portion Naivität – auch die ist übrigens Vor- und Nachteil zur selben Zeit. Ich dachte mir, es wäre so einfacher Beruf und Familienleben zu verbinden. Eine Teilzeitstelle als Grafikerin und Illustratorin ist im Raum Zwettl kaum zu finden. Meine Überlegung war: Gut, dann wirst du Teilzeit-selbstständig. Das ist in der Praxis aber nicht immer umsetzbar. Mein großes Ziel ist, dass ich zwischen 25 und 30 Stunden in der Woche fürs Arbeiten zur Verfügung habe. Gut ist, dass es in der Gemeinde nun auch Nachmittagsbetreuung in der Schule und im Kindergarten gibt. Ich habe das Gefühl, dass da gerade etwas in Umbruch ist, jetzt passiert Veränderung – endlich! Bis jetzt gab es am Land immer nur Entweder/Oder. Entweder du bekommst Kinder oder du machst Karriere.

Ist es schwierig, diese Rollenbilder zu durchbrechen?

Und wie! Das „Ich möchte allen gefallen“ kenne ich nur zu gut. Bei uns am Land gibt es nur sehr klassische Frauenbilder. Frauen, die vorleben, dass es auch anders geht, sind die Ausnahme. Die frauenwirtschaft ist ein wichtiger Hebel, um neue Vor-Bilder zu zeigen. Das finde ich wichtig, denn auch meiner Tochter sage ich immer wieder: Sei so, wie DU sein möchtest und versuche nicht, es allen recht zu machen. Das geht sich sowieso nie aus.

Danke fürs Gespräch!

Interview und Foto: Pamela Schmatz