„Man muss sich nicht immer rechtfertigen.“

Die Unternehmensberaterin und Politikerin Anne Blauensteiner erzählt über Motivation, Ermutigung und darüber, warum Zwettl die frauenwirtschaft unbedingt braucht.

Anne, du sagst: 2019 muss es sein. Da sollte die frauenwirtschaft ihre Pforten öffnen. Warum ist das so wichtig?

Ich mache regelmäßig Betriebsbesuche und bemerke, dass selbstständige Frauen, die von zuhause aus arbeiten, oft nicht als Unternehmerinnen wahrgenommen werden. Ein wesentliches Element der frauenwirtschaft ist es, Sichtbarkeit zu schaffen.

Warum gerade in Zwettl?

Weil es die Innenstadt beleben würde. Und weil Zwettl ein zentraler Ort im Waldviertel ist. Wir wollen die erste Adresse für Gründerinnen werden. Für Frauen, die selbstständig und erfolgreich sein wollen – und dabei vielleicht einen Schubs in die richtige Richtung brauchen. Ich sehe das seit geraumer Zeit bei den Business-Frühstücken, die wir organisieren. Da sind Frauen oft anfangs sehr zurückhaltend. Beim zweiten oder dritten Mal können sie schon richtig aus sich herausgehen. Das wollen wir unterstützen mit verschiedenen Beratungs- und Serviceangeboten.

Kannst du ein Beispiel nennen?

Wir werden Frauen auf die Wirtschaftskammer begleiten, wenn sie gründen wollen. Viele haben große Ehrfurcht vor solchen Institutionen. Da ist es einfacher, gemeinsam hinzugehen. Wir wollen Unternehmerinnen aber auch bei der Öffentlichkeitsarbeit unterstützen. Das ist ein wichtiger Aspekt, um erfolgreich zu sein. Man kann nämlich ruhig darüber reden, was man kann und wer man ist – ja auch, dass man die Chefin ist. Speziell am Land erzeugt das natürlich gewisse Aha-Effekte. Über Generationen wird ein Unternehmen meist an den männlichen Nachfolger übergeben. Dass es auch anders geht, ist bei uns noch nicht überall angekommen …

Was braucht es deiner Meinung nach, um das zu ändern?

Es braucht Frauen, die es vorleben. Und es braucht Ermutigung. Viele Frauen trauen sich nicht zu, in der ersten Reihe zu stehen. Obwohl sie es locker könnten. Mit der frauenwirtschaft wollen wir ihnen Handwerkszeug geben, damit das leichter fällt. Wir wollen Angebote schaffen rund um Kommunikation und Konfliktmanagement. Aber auch darüber, wie man mit den verschiedenen Rollen umgeht: Unternehmerin, Frau, Mutter, Tochter, Partnerin … Viele Frauen verwenden viel Energie, um sich in ihren jeweiligen Rollen rechtzufertigen. Aber man muss sich nicht immer rechtfertigen.

Erzählst du uns noch etwas über dich? Wie bringst du deine verschiedenen Rollen in Einklang?

Gut, meine Kinder sind schon erwachsen. Aber auch als sie noch kleiner waren, war klar, dass es Zeiten gibt, wo die Mama arbeitet. Ich war nicht immer da. Wenn man als Unternehmerin bei uns erfolgreich ist, wird man schnell gefragt, ob man sich auch politisch engagieren will. So hat sich das ergeben, auch in der Interessensvertretung. Ich bin noch immer sehr gerne selbstständig. Ich mag es, meine eigene Chefin zu sein. Mit zunehmendem Alter wird das noch wichtiger …

Vielen Dank für das Gespräch!

Interview und Foto: Pamela Schmatz