„Niemand ist ein Wunderwuzzi“

Antonia Kastner

Wie es in einer Unternehmer-Familie ist und warum Frauen aufhören sollten, so perfekt sein zu wollen. frauenwirtschaft-Gründerin Antonia Kastner im Gespräch.

Antonia, du bist Gründerin und Leiterin der Kindergruppe Apfelbäumchen. Du hast zwei Kinder und als Gattin von Unternehmer Christof Kastner auch viele Verpflichtungen. Wie schafft man das alles?

Mit viel Concealer! Spaß beiseite. Das funktioniert, weil ich mir Hilfe hole. Niemand kann alles alleine. Da haben wir Frauen oft so einen Perfektionismus inne, dass wir alles schaffen müssen. Das funktioniert aber nicht, zumindest nicht auf Dauer. Viele Frauen sind am Rande des Burn-outs – auch ich war übrigens schon einmal nahe dran, als wir das Apfelbäumchen aufgesperrt haben. Heute weiß ich: Niemand ist ein Wunderwuzzi. Es geht nur miteinander. Mein Mann unterstützt mich sehr in meinem beruflichen und ehrenamtlichen Engagement. Und wir haben ein Au Pair-Mädchen für die Kinder.

Jetzt könnte der Schluss nahe liegen: Als Unternehmer-Gattin hast du es da ja leicht …

Natürlich habe ich viele Möglichkeiten. Aber auch viele Verpflichtungen. Als unsere Kinder noch klein waren, wollte ich bewusst viel Zeit zuhause verbringen, bin vielen Veranstaltungen der KASTNER Gruppe ferngeblieben. Aber das geht nicht lange. Als Gattin des Chefs muss man auch wieder bald „funktionieren“. Ich bin aber in der glücklichen Lage, keinen Brötchen-Job machen zu müssen. Deshalb möchte ich diese freie Zeit nützen, um etwas zurückgeben. Ich möchte Frauen im Waldviertel dabei unterstützen, ihren Weg zu gehen. Deshalb haben wir damals das Apfelbäumchen gegründet – und deshalb scharren wir jetzt in den Startlöchern mit der frauenwirtschaft.

Was ist das Besondere an der frauenwirtschaft aus deiner Sicht?

Es ist ein Projekt, das Mehrwert für alle bietet – statt Nutzen für wenige. Also etwas zutiefst Weibliches. Noch bevor das Projekt richtig startet, haben mir mehr als 20 Menschen ihr ehrenamtliche Mitarbeit angeboten. Das motiviert noch mehr – und es zeigt, dass wir ein Angebot dieser Art dringend brauchen in Zwettl. Einen Raum, in dem Frauen spüren, dass sie nicht alleine sind. Ein Ort, um durchzustarten und erfolgreich zu sein.

Wie schaut das konkret aus?

Wir sind gerade auf der Suche nach dem passenden Objekt in Zwettl. Die frauenwirtschaft soll ein Haus werden, in dem Frauen ein Büro oder einen Arbeitsplatz mieten können. Gemeinschaftsräume bieten Platz, um Projekte miteinander abwickeln zu können, um Weiterbildungen zu absolvieren, Sport zu machen. Das Thema „Gesund bleiben“ ist für uns sehr wichtig. Und natürlich Gastronomie! Ein Lokal soll die Verbindung nach außen sein, für Bewegung sorgen.

Klingt nach einem mutigen Projekt. Woher kommen die Entschlossenheit und der Mut?

Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich in einer Familie aufgewachsen bin, die nur aus Frauen bestand: Die Uroma, Oma, Mutter und ich haben anfangs unter einem Dach gelebt. Ich habe von klein auf in der Trafik meiner Oma ausgeholfen – und den Kunden zum gewünschten Magazin gleich auch noch Zigaretten und Pfeifen-Tabak dazu verkauft. Entschlossenheit und eine Portion Frechheit waren da also schon dabei. Trotzdem kämpfe ich nach wie vor mit dem Bild der Frau, die „entsprechen“ und alles schaffen muss. Das ist für mich mutig, wenn man sich von diesen Bildern lösen kann. Heute kann ich zum Beispiel sagen: Ich darf mir etwas Gutes tun, das ist in Ordnung. Dieser Prozess hat aber lange gedauert. Und ist nie ganz abgeschlossen …

Danke fürs Gespräch!

Interview und Foto: Pamela Schmatz